Werdenfelser Weg

Als Verfahrenspflegerin nach dem Werdenfelser Weg (initiiert von Herrn Richter Dr. Sebastian Kirsch aus Garmisch – Partenkirchen, siehe Link) habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, im Auftrag verschiedener Betreuungsgerichten in Zusammenarbeit mit den Betroffenen, ihren Angehörigen / Betreuern und den zuständigen Pflegepersonen Alternativen für Fixierungen zu erarbeiten, um diese zu minimieren und möglichst ganz zu vermeiden.

Aus Sorge, dass ein Bewohner/ Angehöriger stürzt und sich verletzt, werden häufig Bettgitter, verschiedenen Gurte angewendet und/oder mit beruhigenden Medikamenten behandelt. Dabei wird nicht immer bedacht, dass solche Maßnahmen nahezu immer zu Beeinträchtigungen des Wohlbefindens des Betroffenen führen und erhebliche Verletzungs- und sogar Todesrisiken bergen.

Zu nennen sind hier beispielsweise Folgen und Folgeerkrankungen wie

Diese Folgeschäden gilt es in der modernen Pflege zu vermeiden. Wie ist dieses möglich?

Ich analysiere Risikofaktoren als mögliche Auslöser oder Verstärker eines Sturzrisikos, Verhaltensauffälligkeiten und Unruhe (z.B. Hunger, Durst, Schmerzen oder Langeweile).

Deshalb besuche ich den Betroffenen in der Pflegeeinrichtung und führe Gespräche mit ihm und allen an der Pflege Beteiligten. Außerdem führe ich nach Möglichkeit einen Bewegungstest durch. Im Anschluss nehme ich Einblick in die Pflegedokumentation (Diagnosen, Medikamente, Sturzrisikoerhebung und -protokolle, Gewichtsverlauf und individuell weitere Unterlagen).

Danach ist es mir und meinen Gesprächspartnern zumeist möglich, ein neues Behandlungskonzept zu entwickeln. Alternativ zu einem Bettgitter kann beispielsweise ein sehr niedrig einzustellendes Bett mit einer vorgelegten Sturzmatte benutzt werden. Oder ein Bauchgurt kann durch einen Trippelrollstuhl mit Keilkissen ersetzt werden. Oder die Medikamente werden angepasst oder abgesetzt. Alternative Maßnahmen, die Bewegungswillen und Verletzungsrisiken gleichermaßen zu berücksichtigen, sind vielfältig.

Solche Alternativen richte ich immer individuell auf den Betroffenen aus, um einerseits seine Bewegungsmöglichkeit so weit wie möglich zu erhalten und andererseits für eine größtmögliche Sicherheit vor Verletzungen zu sorgen. Ein Verletzungsrisiko ist hierbei niemals ganz zu vermeiden. Dieses erscheint den Betroffenen nach meiner Beratung meist akzeptabel - natürlich umso mehr, wenn sie die Risiken des Einsatzes freiheitsentziehender Maßnahmen kennen.

Langfristig ist es das Ziel, den automatischen Griff zum Bettgitter, Bauchgurt und ähnliches zu vermeiden und Alternativen bewusst einzusetzen. Unterschiedliche Hilfsmittel und Behandlungskonzepte stehen zur Auswahl. Diese für den Betroffenen einzusetzen, schützt vor unnötiger Freiheitsentziehung und fördert den Erhalt von Wohlbefinden und Bewegungsfähigkeit.